Willkommen in Brieselang
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Perspektiven für Brieselang: Haus in der Tasche – Rettung in Brieselang

Bürgermeister
Ralf Heimann

Der Traum vom Dreirad

Stand: August 2020

Haus ohne Grundstück, da geht es selbst bei einem begeisterten Volleyballer nicht ganz rund. Die „Erlösung“ fand sich in Brieselang.

Hier stießen Conny Heimann und Ralf Heimann auf ein genau passendes Grundstück: „Das Haus, das bereits vollständig geplant war, hat eine Front von zwölf Metern. Der Bauplatz musste also mindestens 18 Meter lang sein“, erklärt der neue Bürgermeister, wie er 2002 ausgestattet mit einer Rolle Baupläne fürs Traumhaus nach Brieselang kam. „Wir hatten uns in der Region umgesehen. Staaken und Falkensee waren uns zu teuer“, schildert er.

Mathe und Wirtschaft
Dabei war es ein weiter Weg bis zur Ankunft: Heimann stammt aus Gütersloh, hatte ein Faible für Zahlen und Mathe. Er wollte außerdem sehen, wie Wirtschaft funktioniert. Deshalb bewarb er sich bei diversen Banken um eine Ausbildung, „denn hier ist die Schnittstelle von Mathematik und Wirtschaft“.
Dass er es gleich zur „Schnittstelle der Schnittstellen“, nämlich zur Deutschen Bundesbank, schaffte, verdankt er dem Zufall: „Hier bekam ich die erste Zusage auf meine Bewerbung.“ Er konnte an der institutseigenen Fachhochschule studieren und sein Diplom machen. Abenteuerlustig bewarb er sich für den Einsatz im Osten, denn es war gerade Wende: „Erst hielt man mich für zu jung dafür. Als die älteren Kollegen absagten, bekam ich doch die Chance.“

Kulturschock im Osten
Heimann landete in Frankfurt/Oder wo es um die Abwicklung der Bezirksdirektion der früheren DDR-Staatsbank ging. Es war ein Kulturschock, das Leben in einer Welt, von der man im Westen wenig wusste: „Ich habe allerdings schnell erfahren, dass die Kollegen im Osten überaus kompetent waren, was man von manchen Westdeutschen, die hierher kamen, nicht immer sagen konnte.“ Es war die Zeit, wo überzählige Beamte, vielfach aus Nordrhein-Westfalen, per „Buschprämie“ zum „Aufbau Ost“ in die frühere DDR kamen.

Liebe und Kaninchen
Der Wechsel in die Berliner Filiale der Deutschen Bundesbank veränderte sein Leben schlagartig. Dort traf er auf die große Liebe, seine heutige Ehefrau Conny Heimann.
Sie brachte ungewöhnlich viel Bewegung ins Leben des Fachmanns für Geldwäsche, ist sie doch überaus tierlieb. „Wir hatten eine Auffangstation für Meerschweinchen und Kaninchen, die wir krankheitshalber aufgeben mussten. Stattdessen hat sie sich jetzt auf Sittiche spezialisiert, die wir in mehreren Innenvolieren halten“, gibt der Vater von zwei erwachsenen Kindern und Opa von zwei Enkeln Einblick.

Spitzen-Ergebnis
An die Spitze der Gemeinde Brieselang kam Ralf Heimann mit einem überzeugenden Stichwahl-Ergebnis von 66 Prozent der Stimmen als parteiloser Kandidat. Dennoch weiß er, wie es in der Politik zugeht: Er hat Erfahrung bei der SPD und deren immer aufmüpfigen linkslastigen Jugendorganisation „Jusos“ gesammelt. Als das zum Leben eines Bänkers nicht mehr passte, entschied er sich für die FDP. Dort waren es schließlich personelle Ränkespiele und „unfairer Umgang mit langgedienten Mitarbeitern“, die ihm schließlich so aufstießen, dass er der in Brandenburg unbedeutenden Partei den Rücken kehrte. Schließlich ist ihm als ehemaligem Volleyballer mit C-Trainer-Lizenz Fairness sehr wichtig.

Ideen sammeln
Deshalb ärgerte er sich, dass die Anträge seiner IBB-Fraktion in der Gemeindevertretung oft wenig Anklang fanden.
Er hatte diese Interessengruppe 2013 ins Leben gerufen. Dazu kam, dass der gelernte Revisor und Fachmann für Bankenaufsicht gerne mal genau hinsehen wollte, was so alles beschlossen worden war.
Gleich mit Übernahme des Chefpostens im Rathaus ließ er einiges vom frischen Wind spüren, der ihn umtreibt: „Ich sehe mich als Moderator. Meine Fach­bereichsleiter sind die Experten, deren Aufgabe es ist, Lösungsvorschläge zu entwickeln. Darüber entscheiden dann die Gremien. Ich möchte nicht von oben herab vorgeben, was passieren soll.“

Peinlicher Fehler
Schließlich kann so etwas schnell mal schiefgehen, wie das Beispiel der brandneuen Kita im Alten Rathaus zeigt. Dort ist Bauamts-Mitarbeiterin Liane Schöneich im Einsatz, weil man leider den Schallschutz vergessen hatte. „Nun muss nachgerüstet werden, was natürlich viel teurer ist“, ärgert sich der neue Bürgermeister. Dabei heißt es jetzt, besonders sparsam mit dem Geld umgehen, soll doch die Schule umstrukturiert werden. Wie von Heimann im Wahlkampf bemängelt, wird der vorgesehene Etat von 25 Millionen Euro kaum ausreichend sein: „Wir müssen als erstes den Hort der Robinson Grundschule aufstocken, um zusätzliche Klassenräume zu gewinnen. Seit 1. August ist unsere Oberschule Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe. Sie wird vierzügig sein. Dafür muss ein Schulgebäude geschaffen werden. Das könnte vor dem Sportplatz sein, der von der Schule ja mitgenutzt wird. Die Frage ist nur, ob und wie das Funktionsgebäude erhalten werden kann, das ja vor nicht allzu langer Zeit neugebaut worden ist.“

Mängel im Rathaus
Nächstes großes Thema sieht Ralf Heimann im Rathaus selbst. „Es wurden 2016 Baumängel festgestellt. Die Räume sind gemietet, aber nicht ausdrücklich als Rathaus. Es wäre also sinnvoll, dass Brieselang endlich ein eigenes Verwaltungsgebäude bekommt. Es könnte von der gemeindeeigenen Wohnungsbaugesellschaft errichtet werden. Das hätte den Vorteil, dass die Miete im Ort bleibt“, rechnet Geldfachmann Ralf Heimann vor. Wie genau das aussehen könnte, dafür hat sich Bauamtschef Uwe Gramsch bereits einiges ausgedacht. Standort könnte wenige Meter vom bisherigen Rathaus entfernt sein, wo in einem einstöckigen Bau bereits jetzt Teile der Verwaltung untergebracht sind.

Mehr Platz
Weitere Anliegen sind ihm, die Verdichtung durch die weiterhin ungebrochene Beliebtheit von Brieselang zu bremsen: „Vor ein paar Jahren war ein Baugrundstück noch 1 000 Quadratmeter groß. Mittlerweile sind die Preise so angestiegen, dass schon auf einem Drittel Häuser entstehen. Das ist dann bald wie in einer Großstadt.“
Der aktenerfahrene Bürgermeister will übrigens viel Zeit aufwenden, um seine Nase in alte Ordner zu stecken. Es soll geprüft werden, welche der zu sanierenden Anliegerstraßen bereits zu früheren Zeiten erschlossen worden sind. „Dann ginge es um einen Ausbau, für den nach neuestem Recht, für das wir als Freie Wähler gekämpft haben, keine Anliegerbeiträge fällig wären.“ Allerdings, ist dann die Frage, wie die schicke Asphaltdecke nun finanziert werden soll!

Aufs Dreirad?
Ralf Heimann möchte mehr Internet und mehr Ökologie in Brieselang. Der Nymphensee soll zumindest in der badefreien Zeit frei zugänglich sein. Dem steht allerdings der erst kürzlich abgeschlossene Pachtvertrag entgegen. Dabei tut sich schon ein weiteres Problem auf: Hunde sind am See tabu, doch wie ist es bei Personen, die darauf angewiesen sind?
„Ich habe eine Beschwerde von einer Behinderten, die wegen ihres Begleithundes nicht ins Freibad durfte.“
Während es mit Elektroautos in Brieselang noch etwas hapert, will der Bürgermeister ohne Angst vor Ungewöhnlichem aufs Rad umsteigen.
Dies soll aber, „wegen der höheren Ladekapazität“, ein klassisches Dreirad sein: „Das findet meine Umgebung aber wenig cool, am meisten protestiert meine Schwiegermutti“, zeigt Heimann das Dilemma auf. Mal sehen, ob sich der Familienrat leichter überzeugen lässt als oftmals die Gemeindevertretung!

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